Flüchtlingshelferkreise

<<<  |  >>>  |  Feedback

Definition: Arbeitskreise, die sich der Unterstützung von Flüchtlingen und der Bewältigung der Flüchtlingskrise widmen

Englisch: working team for the support of refugees

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 19.06.2016; letzte Änderung: 17.08.2016

Viele Bürger haben das Bedürfnis, sich an der Hilfe für Flüchtlinge und an der Bewältigung der Flüchtlingskrise aktiv zu beteiligen. Dies geschieht sinnvollerweise nicht im Alleingang, sondern in Zusammenarbeit mit anderen, die hauptamtlich oder ehrenamtlich dieselben Ziele verfolgen. Hierfür werden vielerorts Flüchtlingshelferkreise oder Flüchtlingsarbeitskreise gegründet, die sich meist jeweils auf eine Stadt oder kleine Region konzentrieren.

Motivation für ehrenamtliche Arbeit

Ein großer Teil der Flüchtlingsarbeit wird von ehrenamtlichen Helfern geleistet. Sie wenden dafür einen gewissen Teil ihrer Freizeit auf. Die Motivation hierfür kann beispielsweise so entstehen:

Die Sorge um den gesellschaftlichen Zusammenhalt kann eine wichtige Motivation zur Flüchtlingsarbeit sein. Je besser die Aufnahme von Flüchtlingen gelingt, desto weniger wahrscheinlich sind Konflikte.

Übrigens geht häufig auch von Kommunen die Initiative zur Gründung von Flüchtlingshelferkreisen aus. Sie sehen sich durch die Flüchtlingskrise mit großen Herausforderungen konfrontiert, die sie ohne die Mitarbeit von Ehrenamtlichen schwer bewältigen könnten. Hierbei geht es unter Umständen nicht nur darum, die nötige Hilfe für die Flüchtlinge leisten zu können, sondern auch um die Vorbeugung gegen Konflikte in der Bevölkerung. Wo nämlich Behörden und Ehrenamtliche erkennbar erfolgreich zusammenarbeiten, beruhigt dies die Bevölkerung und macht es Unruhestiftern schwer.

Rechtsform von Helferkreisen: Vereine und freie Initiativen

Flüchtlingshelferkreise haben keine einheitliche Rechtsform; es gibt hierfür nämlich unterschiedliche Möglichkeiten.

Die Einrichtung eines eingetragenen Vereins bringt gewisse bürokratische Regeln mit sich, die jedoch durchaus auch hilfreich sein können.

In manchen Fällen wird ein eingetragener Verein (e. V.) gegründet, der in der Regel als gemeinnützig eingestuft werden kann. Hierdurch gelten in dem Arbeitskreis die allgemeinen gesetzlichen Regeln für Vereine, ggf. ergänzt durch die Bestimmungen der vom Verein formulierten Satzung. Beispielsweise muss ein Vorstand mit bestimmten Zuständigkeiten gewählt werden, und dessen Arbeit und Befugnisse sind durch diverse rechtliche Regeln gebunden. Dies kann als ein gewisser Verlust an Freiheit und die Verpflichtung auf gewisse bürokratische Regeln empfunden werden, gibt dem Arbeitskreis andererseits aber eine sinnvolle Grundstruktur; schließlich speisen sich die Regeln des Vereinsrechts aus vielfältigen Erfahrungen. Vielerlei Probleme können von vornherein vermieden werden, wenn man sich an solchen Regeln orientiert – ohne sich das ganze Regelwerk erst selbst mühsam erarbeiten zu müssen. Ein weiterer nützlicher Aspekt ist, das vom Staat als gemeinnützig anerkannte Vereine Spendenbescheinigungen ausstellen dürfen, mit denen die Spender ihre Steuerlast reduzieren können. Dies vermindert die effektiven Kosten für die Spender und gibt ihnen gleichzeitig zusätzliche Sicherheit, dass das gespendete Geld wirklich gemeinnützigen Zwecken zukommt.

Freie Initiativen sind tendenziell weniger bürokratisch, erfordern aber noch mehr Umsicht zur Vermeidung diverser Probleme. Die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden ist nur möglich durch die Zusammenarbeit mit einer anderen Institution.

Vielfach wird jedoch auf die Gründung eines Vereins verzichtet; Helferkreise arbeiten dann als freie Initiativen. Dies bringt einen geringeren bürokratischen Aufwand mit sich; jedoch ist es trotzdem nötig, dem Arbeitskreis gewisse Strukturen zu geben, um erfolgreich arbeiten zu können. Beispielsweise sollten auch hier klar die Verantwortlichkeiten verschiedener Mitarbeiter geregelt werden, ebenso die Prozesse zur Entscheidungsfindung. Hierbei hat man einerseits größere Freiheiten als bei einem Verein, muss aber andererseits mit wesentlich mehr Umsicht arbeiten, um ernste Probleme z. B. in Konfliktsituationen zu vermeiden. Die Möglichkeit steuerlich absetzbarer Spenden direkt an den Arbeitskreis besteht nicht; jedoch kann ein Arbeitskreis mit einer anderen Institution (z. B. einem Verein, dem Betreiber einer Gemeinschaftsunterkunft oder einer örtlichen Kirchengemeinde) so zusammenarbeiten, dass Spenden an diese (als gemeinnützig anerkannte) Institution gehen, aber vom Arbeitskreis verwertet werden können. Hierbei ist dann die andere Institution dem Staat gegenüber dafür verantwortlich, dass die Gelder gemeinnützig eingesetzt werden.

Tendenziell wird man bei sehr kleinen Arbeitskreisen eher eine freie Initiative gründen, bei größeren dagegen eher einen Verein.

Aufgabenbereiche von Helfern; hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter

Häufig wird in Flüchtlingsarbeitskreisen eine Zusammenarbeit zwischen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern gepflegt. Dies gilt selbst dort, wo der eigentliche Arbeitskreis nur Ehrenamtliche enthält, aber beispielsweise intensiv mit Angestellten von Behörden und Kirchengemeinden kooperiert wird.

Ein Arbeitskreis sollte eine Leitungsperson haben, die immer eine gute Übersicht über alle Aktivitäten hat, alle Notwendigkeiten und Gefahren im Blick behält, die Zusammenarbeit koordiniert und nach außen hin (z. B. gegenüber den städtischen Behörden oder einem Träger einer Gemeinschaftsunterkunft) als Ansprechperson fungiert. Für diese Funktion dürfte ein hauptamtlicher Mitarbeiter mit entsprechender Erfahrung oft besonders geeignet sein.

Die Öffentlichkeitsarbeit kann, soweit sie nicht von der Leitungsperson mit übernommen werden kann, von einer anderen Person betrieben werden.

Eine weitere Person sollte sich um die Finanzen kümmern und ggf. auch Spendenbescheinigungen ausstellen. In einem Verein muss diese Person den Behörden gegenüber ordnungsgemäße Finanzen vorzeigen können.

Weitere Personen können die eigentliche Flüchtlingsarbeit übernehmen – eventuell eingeteilt in Untergruppen für bestimmte Aufgaben wie Deutschkurse, Übersetzungsdienste, Betreuung von Schülern, Begleitung bei Behördengängen oder Arztbesuchen, Wohnungssuche, Fahrdienste, örtliche Orientierung und Freizeitgestaltung.

Koordination und Kommunikation

Bei Flüchtlingshelferkreisen ist eine effektive Koordination und Kommunikation aus verschiedenen Gründen besonders wichtig:

Aus diesen Gründen erfordert die erfolgreiche Leitung eines Flüchtlingshelferkreises eine Vielzahl von Fähigkeiten auf dem Gebiet der Organisation und Planung. Außerdem benötigt man vor allem auch menschliches Einfühlungsvermögen und eine gut entwickelte Phantasie zum Finden von Lösungen.

Für die Koordination der verschiedenen Tätigkeiten ist es sehr hilfreich, eine Liste der Ehrenamtlichen zu führen, die nicht nur deren Kontaktinformationen enthält, sondern auch ihre Hilfsangebote, Vorkenntnisse, Interessen und ggf. bereits zugewiesene Aufgaben. Diejenigen, denen noch keine Aufgabe zugewiesen werden konnte, können bei Bedarf dann rasch für neue Aufgaben aktiviert werden.

Gerade bei umfangreicheren Helferkreisen ist die interne Kommunikation sehr wichtig. Sie kann beispielsweise von Personen mit guten IT-Kenntnissen unterstützt werden, die eine Website und ggf. auch eine interaktive Kommunikationsplattform (z. B. auch bei den Sozialen Medien) aufbauen können. Bereits eine einfache Website kann nützlich sein, um bestimmte Informationen den Helfern jederzeit bereitstellen zu können.

Die Öffentlichkeitsarbeit ist ein weiteres wichtiges Gebiet. Ihr Ziel ist, generell eine gute Einbindung in die Gesellschaft zu erreichen – etwa durch Kontakte mit der Lokalpresse, mit lokalen Vereinen und diversen Institutionen und Personen von Bedeutung. Dadurch kann beispielsweise erreicht werden, dass die Möglichkeit der Mitarbeit im Helferkreis in der Bevölkerung gut bekannt ist. Ebenfalls können so Spenden eher eingeworben werden. Ein weiterer Faktor ist, dass eine unnötige Beunruhigung der allgemeinen Bevölkerung vermeidbar ist, wenn die Bevölkerung darüber informiert wird, wie z. B. die Unterbringung von Flüchtlingen gewährleistet wird und wie dabei auftretende Probleme gelöst werden.

Was brauchen die Ehrenamtlichen?

Ehrenamtliche Helfer bringen oft eine Menge von Engagement mit. Ihre aktive Mitarbeit ist vielerorts unentbehrlich für eine gute Bewältigung der Flüchtlingskrise. Um so mitwirken zu können, müssen für sie aber einige Randbedingungen gegeben sein:

In manchen Bundesländern sind ehrenamtliche Flüchtlingshelfer automatisch und kostenlos gegen gewisse Risiken versichert.

Ansprechpartner bei den Institutionen

Für Flüchtlingshelferkreise ist es wichtig, die geeigneten Ansprechpartner bei Behörden und anderen Institutionen zu finden.

Da die jeweiligen Zuständigkeiten je nach Kommune anders geregelt sein können, ist oft die erste Anlaufstelle das Rathaus oder Bürgerbüro. Dort wird man beispielsweise an das Amt für Soziales vermittelt. In vielen Kommunen gibt es auch spezielle Integrations-, Flüchtlings- oder Ehrenamtsbeauftragte zur Koordination solcher Dinge.

Wo eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge besteht, kann man Kontakt mit deren Betreiber aufnehmen. Dies kann beispielsweise das örtliche Landratsamt, die Kommune oder auch ein freier Träger sein.

Vielerorts ist es nützlich, sich auch an kirchliche Kreise zu wenden – beispielsweise an die Diakonie der evangelischen Kirche oder an Caritas bei der katholischen Kirche.

Literatur

[1]Flüchtlingshilfe Baden-Württemberg e. V., http://www.fluechtlingshilfe-bw.de/start/: eine Website mit vielen unterstützenden Informationen – z. B. einem Handbuch für die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe und einem E-Mail-Newsletter mit Tipps und Anregungen
[2]Flüchtlingsrat Baden-Württemberg, http://fluechtlingsrat-bw.de/: bietet z. B. Weiterbildungsmöglichkeiten und viele Kontaktadressen von und für Flüchtlingshelferkreise in Baden-Württemberg
[3]Ecclesia über die Versicherung im Ehrenamt, http://www.ecclesia.de/ecclesia-allgemein/service/ehrenamt/

(Zusätzliche Literatur vorschlagen)

Siehe auch: Flüchtlinge, Willkommenskultur